Analyse des Youtube Kanals „YT Stars“

22. November 2016

Seit einiger Zeit schon verfolge ich mit großem Interesse die Entwicklungen dieses Youtube-Kanals. Er wird geführt von einem kleinen Jungen (Christopher), dem bei einigen Videos noch weitere kleine Jungs beiseite stehen. Ich bin immer wieder erschreckt über das präzise Wissen dieser Jungs darüber, wie Youtube wirklich funktioniert.

Hier ein Ausschnitt aus der Beschreibung auf ihrer Website:

„Wir sind Hobby Youtuber, meistens versuchen wir jeden Montag ein Video auf unseren Kanal zu laden. Dabei kommen neue Ideen und es macht viel Spaß euch zu unterhalten. Früher habe ich Songs mit Hilfe meines großen Bruders gemacht. Er hat ein Musikstudio in Berlin. Wenn ihr es euch ansehen wollt geht auf seine Website hier. Später habe ich Lucca und Richard gefragt ob sie nicht einmal Lust hätten mit mir einen Scatch zu drehen und sie haben zugestimmt. Uns hat es allen solchen Spaß gemacht das wir mehr drehen!!!“

Eines der neuesten Videos der „YT Stars“ hat mich dann auf Grund seiner unabsichtlichen Aussagekraft über die momentane Situation auf Youtube Deutschland richtig vom Hocker gehauen:

Für mich war dieses Video ein Konglomerat aus den wichtigsten Youtube-Klischees, die ich in den folgenden Abschnitten etwas genauer untersuchen werde.

Inhalt

Sehr auffällig waren für mich die Wahl der zu filmenden Objekte, die Christopher als modernen, stylischen und wohlhabenden Menschen inszenieren.

Da hätten wir zunächst die verschiedenen Luxus-Objekte, die die Sehnsüchte eines kleinen Jungen widerspiegeln:

  • Zwei schicke glänzende Autos von Tesla und BMW
  • Apple-Produkte (iPhone, Apple Watch)
  • Sportschuhe und Laufband

Nichts davon gehört Chris wirklich. Er steigt zwar in die Autos, hält das iPhone in der Hand und joggt in neuen Schuhen; doch die Autos befinden sich im Autohaus, das iPhone ist im Apple Store angekettet und die Sportschuhe tragen noch das Preisschild.

Diese Objekte werden als Blickfänger benutzt und sollen die aktuellen Wünsche und Begierden der Zuschauer aktivieren. Freiwilliges Product-Placement sozusagen.

Weiterhin gibt es einige Lebensmittel, die gefilmt werden und Auskünfte über Chris‘ Verständnis geben, was momentan angesagt, was „hipp“ ist:

  • Sushi
  • Salat
  • Starbucks
  • Innocent Smoothie

Alle diese Lebensmittel werden in Nahaufnahme gefilmt, wodurch dem Zuschauer überdeutlich gezeigt wird, was für ein cooler Typ dieser kleine Junge doch ist.

Dieser Eindruck wird noch verstärkt, wenn gegen Ende des Videos Chris gezeigt wird, wie er Interviews gibt und mit seinen Fans Selfies aufnimmt.

moderation

In kleinen Zwischensequenzen erzählt uns Christopher von seinen Plänen in Berlin und Potsdam, was er als Nächstes vor hat, wieviel Uhr es ist und was er bisher gemacht hat. Dadurch erhalten wir ein bisschen Kontext zu den langen Szenen, die nur mit Musik unterlegt sind.

Chris benutzt in seinen Moderationen die typischen Youtuber-Floskeln „Hey Leute“, „Willkommen zu einem neuen Video“ oder „Wenn der Vlog euch gefallen hat, dann lasst einfach einen Daumen nach oben da“ und „Wir sehen uns nächstes Mal“.

Der restliche Inhalt seiner Moderationen ist durch die vorherige Planung des genauen Wortlauts kurz und knapp gestaltet, so dass keine Möglichkeiten zu etwaigen Verlegenheitslauten entstehen können.

Das schnelle Sprechen und der wackelnde Kopf, zusammen mit den hektischen Bewegungen der Hände, zeigen sowohl Christophers Erfahrung mit der Kamera, als auch seine Bemühungen, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu erhalten und seine eigene Person als „YT Star“ darzustellen.

Musik

Die Wahl der Musik ist ebenfalls absolut stereotypisch. Der erste Teil des Videos wird durch ganz typisches, nichtssagendes Ukulele-Glockenspiel-Gedudel begleitet, welches sich auch in der Werbung oder in Stop-Motion-Videos findet.

Passend zu Christophers Anmoderation „…und ich bin READY!“ ändert sich dann die Musik drastisch zu einem schnellen, bläserlastigen Popsong, der die Videoday-Szenen untermalt und diese so zum Höhepunkt des Videos erklärt.

Kameraführung

Während Christophers Erklärungen von ihm selber im Handheld-Format gefilmt werden, gibt es besonders gegen Ende des Videos Sequenzen, die augenscheinlich von einer zweiten Person gefilmt wurden. Da die Kameraführung dort deutlich professioneller und ruhiger erscheint, besteht Grund zu der Annahme, dass es sich dabei um eine ältere Person handelt (Elternteil?). Ob diese Person auch der/die Fahrer/in des Autos ist, mit dem Christopher nach Berlin gelangt ist, bleibt unklar.

Weiterhin wird mit Slowmotion (Auto- und Jogging-Szene) und Zeitraffer (Weg zu den Videodays, passend zur Musik) gearbeitet.

Fazit

Der Aufbau dieses Videos ist nach Youtube-Maßstäben ziemlich professionell gestaltet. Auch die Art der Anmoderationen und das kreative Spiel mit Kameraeffekten (Essensszene, Zeiteffekte etc.) machen das Video zu einem Vlog hoher Qualität.

Dadurch, dass der Protagonist des Videos augenscheinlich minderjährig ist, sich jedoch wie ein erwachsener Erfolgsyoutuber verhält und inszeniert, erhält das Video eine skurrile Note und verkommt zur Parodie auf zahlreiche Youtube-Vlogs.

Zu diesem Eindruck tragen neben den übertrieben kurzen Moderationen vor allem auch das exzessive Filmen von Luxusobjekten und typischer Youtuber-Nahrung bei.

Wären Christopher und seine Freunde einige Jahre älter, würde es mich nicht überraschen, wenn sie zu den erfolgreichsten Youtubern Deutschlands zählen würden. Die Zukunft wird es zeigen.

Viel Glück, Jungs!